{"id":164,"date":"2013-01-23T09:05:36","date_gmt":"2013-01-23T09:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/munkacs-diocese.org\/de\/?p=164"},"modified":"2019-09-17T09:17:19","modified_gmt":"2019-09-17T09:17:19","slug":"nicht-weinen-beten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munkacs-diocese.org\/de\/2013\/01\/23\/nicht-weinen-beten\/","title":{"rendered":"\u201eNicht weinen! Beten!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Genau das waren die letzten Worte unserer geliebten Schwester Anneliese. Sie hatte noch kurz zuvor mit letzter Kraft gebetet: \u201eJesus, Maria!\u201c Da begann unsere indische Schwester Elisabeth zu weinen. Darauf verstarb Schwester Anneliese am Silvestertag ungef\u00e4hr um 15.00 Uhr zur Barmherzigkeitsstunde, am letzten Tag des Jahres 2012.<\/p>\n<p>Wie gerne w\u00fcrde ich jetzt hier in dieser Kapelle Euch Zeugnis geben von der Liebe und Hingabe von Sr. Anneliese \u2013 hier in dieser Kapelle, in der sie so oft gebetet hat. Oft in der Nacht, da sie immer wieder sagte, dass sie den lieben Heiland nicht alleine lassen k\u00f6nne. Sie opferte diese n\u00e4chtlichen Anbetungen des eucharistischen Herrn f\u00fcr ihren tragisch verstorbenen Ehemann und als Mutter ihrer inzwischen schon lange erwachsenen Tochter und ihrem erwachsenen Sohn. Sie betete viel in meinen pers\u00f6nlichen Anliegen, in den Anliegen der Gemeinschaft \u201eStabat Mater Maria\u201c und den vielen meist armen und bedr\u00e4ngten Menschen, die immer im weit ge\u00f6ffneten Herzen von Schwester Anneliese einen w\u00e4rmenden und trostreichen Platz fanden.<\/p>\n<p>Ich bin jetzt bei meinem Bischof Dr. Andrew Francis, der in Pakistan Opfer eines gemeinen Attentates auf sein Auto geworden ist. Er ist jetzt querschnittsgel\u00e4hmt. Doch besteht Hoffnung, gewisse K\u00f6rperfunktionen wieder zu aktivieren, damit er weiterhin sein Bischofsamt ausf\u00fchren kann. Um ihn zu retten habe ich ihn nach Deutschland geholt. Jetzt braucht der Bischof dringend meine pers\u00f6nliche Hilfe und menschliche Zuwendung. So ist mein Herz zerrissen zwischen dem Martyrium des Bischofs und dem Verlust von Schwester Anneliese. Ein Verlust, den wir alle zutiefst versp\u00fcren.<\/p>\n<p>Wie kann ich jetzt nicht weinen?<\/p>\n<p>Dr. Svetlana Herasimuk sagte einmal: \u201eAnneliese k\u00f6nne leben ohne Sch\u00f6nborn, aber Sch\u00f6nborn nicht ohne Anneliese!\u201c Tag f\u00fcr Tag ging sie von Haus zu Haus: zu den Kranken und Bettl\u00e4gerigen. Sie macht ihnen die Betten, lie\u00df ihre Kleidung waschen, reinigte die H\u00e4user, besorgte f\u00fcr den Winter Bed\u00fcrftigen das Brennmaterial, sorgte sich um \u00e4rztliche Behandlung und schickte so manchen in Erholung und zur Kur nach Sinjak oder andere Kurorte. Sie lie\u00df verfallene H\u00e4user und H\u00fctten der Armen wieder bewohnbar herrichten.<\/p>\n<p>Sie sah die Not der Menschen, die zumeist andere nicht bemerkten. Und weit mehr noch waren ihre beherzten Worte Ermutigung f\u00fcr viele bedr\u00fcckte Seelen, um wieder aufzustehen und gar ein neues Leben zu beginnen. Und nicht nur in Sch\u00f6nborn. Auch fast in jedem Haus in Pausching, Palanka, Kroatendorf, Sinjak und auch an vielen Stellen in der gro\u00dfen Stadt Mukacevo war sie gewesen und hatte stets ohne gro\u00dfe Worte ein St\u00fcck der barmherzigen Liebe Gottes gebracht.<\/p>\n<p>Ihr Leben war ein Gebet!<\/p>\n<p>Geboren wurde sie am 4. November 1933 und erlebte im Bombenhagel die v\u00f6llige Zerst\u00f6rung ihrer Heimatstadt M\u00fcnchen w\u00e4hrend des II. Weltkrieges 1943. Leben in Notbaraken, Hunger und entbehrender Wiederaufbau waren ihre Kinder- und Jugendjahre. Als langsam Westdeutschland die Notzeit \u00fcberwand, begann sie ihre berufliche Ausbildung im renommiertesten Feinkostgesch\u00e4ft M\u00fcnchens, bei Dallmayer. Dort lernte sie auch ihren sp\u00e4teren Ehemann kennen, der f\u00fcr den weitbekannten Kaffeebereich verantwortlich wirkte. Sp\u00e4ter arbeitete sie im Sekretariat der Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Dem Ehepaar wurden zwei Kinder geschenkt \u2013 ein M\u00e4dchen, ein Junge. Sie erz\u00e4hlten, dass in ihrer Jugend das elterliche Haus weithin in Bettlerkreisen bekannt war und sogar von ihnen markiert wurde, weil diese Armen wussten, dass sie an der Haust\u00fcre dieser Frau Anneliese immer etwas zu bekommen hatten.<\/p>\n<p>Die Kinder waren schon selbstst\u00e4ndig als der Vater durch ein traumatisches Ereignis starb. Es war ein gro\u00dfer Schmerz f\u00fcr Anneliese, den sie bis in den letzten Tagen ihres Lebens vor Gott brachte. Nun war Anneliese alleine.<\/p>\n<p>Im Mai 1996 organisierte unser Haus in Bad Herrenalb anl\u00e4sslich meiner Priesterweihe eine Dankeswallfahrt nach Krakau, an den Ort, wo der Barmherzige Heiland sich der Schwester Faustina offenbarte. Wir waren damals Gr\u00fcndungsmitglieder der Bewegung der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit in Krakau unter der F\u00fchrung des Kardinals von Krakau und Papst Johannes Paul II.<\/p>\n<p>Mit zwei Freundinnen meldete sich Anneliese zu dieser Buswallfahrt an. Die Mission f\u00fcr die Ukraine war in meinem Herzen sehr lebendig, sodass ich viel davon erz\u00e4hlte. Und das Erlebnis der Gnade durch das Leben von Sr. Faustina bewegte sehr intensiv, sodass Anneliese spontan sagte, dass sie mit mir in die Ukraine kommen wolle. Ich wiegelte zun\u00e4chst ab, weil ich wusste in welchen bed\u00fcrftigen Verh\u00e4ltnissen wir damals in Sch\u00f6nborn lebten (WC im Garten, kein richtiges Bad, schlechtes Wasser, K\u00e4lte usw.) Wird das eine deutsche 63-j\u00e4hrige Pension\u00e4rin ertragen? Ich sagte, dass sie zuerst einmal nach Medjugorje fahren solle, damit sie meine tiefen Beweggr\u00fcnde zu unserer Mission in der Ukraine besser verstehe. Und sie pilgerte mit ihren Freundinnen bald darauf nach Medjugorje. Tief ber\u00fchrt kehrte sie zur\u00fcck und wollte nun unbedingt zu mir in die Ukraine kommen. Sie lebte damals in einer wundersch\u00f6nen Penthouse-Wohnung in Unterhaching bei M\u00fcnchen. Ich riet ihr immer noch ab, diese sch\u00f6ne Wohnung zu verlassen. Aber sie war fest entschlossen, die Jahre, die ihr noch blieben ganz Jesus und Maria zu schenken und bei mir zu sein.<\/p>\n<p>Anfang 1997 hatte sie ihre Wohnung aufgel\u00f6st und kam mit ihrem alten Auto nach Chop. Ich wollte sie \u00fcber die Grenze holen, aber schon war sie ohne fremde Hilfe durch diese Grenze gefahren und wartete auf mich. Ich war sehr erstaunt, da doch alle diese Grenze sehr f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>In Sch\u00f6nborn war ich gerade dabei unser Zentrum aufzubauen. Es war eine lange Zeit nur Baustelle. Ich wollte sie in die Computer-Arbeit einf\u00fchren, um mich in den vielen Briefen zu entlasten. Aber es wollte ihr nicht gelingen den Computer zu verstehen. Sie meinte, sie ist gekommen, f\u00fcr die Armen zu wirken. Ihr gro\u00dfes Vorbild war Mutter Teresa von Calcutta, die alles aufgab um den \u00c4rmsten der Armen die Liebe Gottes erfahren zu lassen.<\/p>\n<p>So begannen wir unser Wirken zu zweit in unserem Haus, das St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck wuchs mit diesem Innenhof, Saal und Kapelle. Viele Kinder und junge Menschen kamen zu uns. Anneliese kochte, sorgte sich um die Kinder um uns herum. W\u00e4hrend ich in den Sommerferien mit den \u00e4lteren Jugendlichen auf\u00a0\u00a0Reisen und Wallfahrten war, organisierte sie Kinderspieltage und Ausfl\u00fcge in die Umgebung.<\/p>\n<p>Sie wurde die Mutter aller. Sie erweiterte ihr Wirken auf das ganze Dorf Sch\u00f6nborn, auf alle unsere Gemeinden Pausching, Sinjak, Palanka, Kroatendorf und noch viel weiter.<\/p>\n<p>Ihr Herz galt auch den Alten, die oft einsam und traurig zu Hause waren. Sie lud sie aus den verschiedensten Anl\u00e4ssen zu Festen mit Kaffee ein. Sie sangen viele alte Lieder und immer wurde gemeinsam gebetet. Kinder bereiteten kleine Szene f\u00fcr diese Altentreffen vor, oft lie\u00df sie auch eine Musikband kommen und forderte die Omas und Opas zum Tschardasch-Tanz auf. Es war immer viel Freude um sie herum. Tr\u00fcbsinn und das Sich-h\u00e4ngen-lassen konnte sie nicht ertragen. Depressionen trieb sie mit ihrer aktiven Freude den Menschen aus.<\/p>\n<p>Schwester Anneliese baute kr\u00e4ftig mit am geistigen Haus, was um dieses Zentrum gewachsen war mit jungen und alten Menschen. So war unser Haus immer voll mit Menschen. Anneliese war die achtsame Mutter, die mit ihrer Tatkraft und mit ihrem liebenden Herzen vieles bewegte.<\/p>\n<p>Schwester Anneliese lebte nach dem Wort unseres Herrn. \u201eEuch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.\u201c\u00a0(Mt 6, 33)\u00a0Meine Initiative bed\u00fcrftige Familien und bedr\u00e4ngte Menschen in unserem Seelsorgegebiet mit einer Patenschaft zwischen Familien in \u00d6sterreich, der Schweiz und Deutschland zu unterst\u00fctzen \u00fcbernahm Schwester Anneliese mit gro\u00dfem Einsatz, was sie aber viel Kraft kostete. Sie sorgte sich um den lebendigen Austausch zwischen den Menschen in Westeuropa und hier im Karpatengebiet. Teilweise betreuten wir Patenschaften mit rund 500 Familien.<\/p>\n<p>Einmal begleitete eine junge Frau aus Deutschland 1999 unsere Jugendwallfahrt nach Schio und Rom. Da versp\u00fcrte sie den inneren Ruf, zu uns nach Sch\u00f6nborn als Schwester Barbara zu kommen. Schwester Barbara wuchs unter den Fl\u00fcgeln von Schwester Anneliese zu einer sehr wichtigen S\u00e4ule dieses geistlichen Hauses heran.<\/p>\n<p>Sosehr Schwester Anneliese auf das Leid anderer Menschen achtete, so verbarg sie ihre inneren und k\u00f6rperlichen Leiden. Sie wollte niemanden zur Last fallen. Sie schenkte alle ihre pers\u00f6nlichen N\u00f6te dem eucharistischen Heiland und opferte ihre Schmerzen den N\u00f6ten unserer Gemeinschaft und unseren Gl\u00e4ubigen. In den letzten beiden Jahren wusste sie von ihrer Krebserkrankung, die sie vor allen verbarg aber sich innerlich auf das Kommen Jesu als ihren g\u00f6ttlichen Br\u00e4utigam vorbereitete. Ihre Seele ist geschm\u00fcckt wie eine Braut. Der Herr empfing sie vereint mit der Muttergottes und dem heiligen Josef. Es war gerade die Heilige Familie, die sie immer in ihrem Herzen trug.<\/p>\n<p>\u201eWeinet nicht!\u201c ruft uns Schwester Anneliese zu. Ich bin Gott unendlich dankbar f\u00fcr diese kostbaren 14 Jahre, die ich mit Schwester Anneliese zusammen erleben durfte. Wir alle d\u00fcrfen uns heute freuen dass Schwester Anneliese vereint mit unserer lieben Schwester Bernardis am Tisch des ewigen Hochzeitsmahles unseres Erl\u00f6sers und Herrn sitzt und sie f\u00fcr uns starke F\u00fcrsprecherinnen bei Gott sind.<\/p>\n<p>Und nochmals lasst uns die Aufforderung von Schwester Anneliese zur Lebensleitlinie werden:<\/p>\n<p>\u201eNicht weinen! Beten!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genau das waren die letzten Worte unserer geliebten Schwester Anneliese. Sie hatte noch kurz zuvor mit letzter Kraft gebetet: \u201eJesus, Maria!\u201c Da begann unsere indische Schwester Elisabeth zu weinen. Darauf verstarb Schwester Anneliese am Silvestertag ungef\u00e4hr um 15.00 Uhr zur Barmherzigkeitsstunde, am letzten Tag des Jahres 2012. 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