{"id":155,"date":"2014-03-31T08:51:27","date_gmt":"2014-03-31T08:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/munkacs-diocese.org\/de\/?p=155"},"modified":"2019-09-17T08:58:20","modified_gmt":"2019-09-17T08:58:20","slug":"bischof-antal-majneks-fastenhirtenbrief-an-die-glaeubigen-der-dioezese-munkatsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munkacs-diocese.org\/de\/2014\/03\/31\/bischof-antal-majneks-fastenhirtenbrief-an-die-glaeubigen-der-dioezese-munkatsch\/","title":{"rendered":"Bischof Antal Majneks Fastenhirtenbrief an die Gl\u00e4ubigen der Di\u00f6zese Munkatsch"},"content":{"rendered":"<p>In\u00a0 Christus\u00a0 geliebte Br\u00fcder und Schwestern!<\/p>\n<p>Der Aufschrei eines j\u00fcdischen Buben: &#8218;Warum hat man Jesus umgebracht?&#8216;\u00a0 geht mir bis heute im Kopf herum, obwohl das Ganze schon drei\u00dfig Jahre zur\u00fcck liegt.\u00a0 &#8211;\u00a0 Der Kleine hatte versehentlich eine katholische Kirche\u00a0 betreten. Und seine eigenen Eltern hatten keine Antwort parat. Da eilte er zu mir, ergriff meine Hand und f\u00fchrte mich vor das empor ragende Kreuz. Dann fragte er eindringlich: &#8218;Warum? Hat er denn etwas S c h l i m m e s getan?&#8216;\u00a0 &#8218;Ganz und gar nicht: Jesus hat allen nur Gutes getan&#8216;, gab ich ihm zur Antwort. Darauf er: &#8218;Dann verstehe ich das nicht.&#8216;<\/p>\n<p>Der Auf&#8217;schrei des W a r u m ? &#8211;\u00a0 blieb unbeantwortet im Kirchenraum stehen. Eigentlich leidet jede Kinderseele seit dem Ernstfall zwischen Kain und Abel unter dieser Frage: Woher kommen Zorn, Hass und Streit, weshalb kommt es zum Bruderkrieg?<\/p>\n<p>Anfangs teilt das Kind die Menschen in zwei Gruppen ein: in gute und b\u00f6se. Wer sich an seinem Spielzeug vergreift, der ist b\u00f6se. Es verlangt von seinen Eltern eine unmittelbare Bestrafung oder greift selbst durch.\u00a0 &#8211;\u00a0 Wenn das Unser verdr\u00e4ngt wird durch das Mein und Dein, bahnt sich der Krieg an. Was einem geh\u00f6rt, das will man f\u00fcr sich haben.\u00a0 Wie seltsam, dass es mit dem Zur\u00fcckschlagen anf\u00e4ngt! Es kommt auf beiden Seiten zu einem Rachedenken aus dem Gef\u00fchl wiederholter Gekr\u00e4nktheit\u00a0 und erlittenen Unrechts. Wenn nun keine Vers\u00f6hnung geschieht und den Verfeindeten keine Schlichtung gelingt, wird aus der Verbitterung und aus dem aufgestauten Zorn eines Tages offener Streit ausbrechen, und schon taumelt man in Krieg.\u00a0 &#8211;\u00a0 Wird das nie aufh\u00f6ren? Wer mag diese endlose Aggressivit\u00e4t aufhalten? Wann wird das Ganze ein Ende haben? Doch eigentlich geht aus dem Konflikt keiner als wirklicher Sieger hervor. Denn auf der einen wie auf der anderen Seite verspielt man zuerst Geduld und Frieden, Gl\u00fcck und Gesundheit. Dann aber bleibt Hochwertiges\u00a0 wie Glaube, Liebe, ja Gott auf der Strecke.\u00a0 &#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Je heftiger zwei Parteien ins Streiten geraten, desto mehr freut sich mitunter der Dritte, denn er profitiert wom\u00f6glich davon: beispielsweise, indem er beiden Seiten Waffen verkauft.<\/p>\n<p>Gott Vater, der die ganze Welt erschaffen hat, l\u00e4sst, selbst wenn sie abtr\u00fcnnig geworden sind, die Menschen nicht fallen. Im Gefolge der vielen Profeten, die allesamt\u00a0 die S\u00fcnder unentwegt zur Umkehr aufgerufen haben, sandte er seinen Sohn zur Erde, um alle zum Frieden zu f\u00fchren, sie mit Gott zu vers\u00f6hnen. &#8218;Dazu seid ihr berufen worden: Christus hat f\u00fcr euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, dass ihr seinen Spuren folgt. Er hat keine S\u00fcnde begangen, \u00a0\u00a0 \u00a0und in seinem Mund war kein tr\u00fcgerisches Wort. Er wurde geschm\u00e4ht, schm\u00e4hte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern \u00fcberlies seine Sache dem \u00a0\u00a0 \u00a0gerechten Richter. Er hat unsere S\u00fcnden mit seinem leib auf das Holz des \u00a0\u00a0 \u00a0Kreuzes getragen, damit wir tot seien f\u00fcr die S\u00fcnden und f\u00fcr die Gerechtigkeit \u00a0\u00a0 \u00a0leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.&#8216; (1 Pt 2, 21-24).<\/p>\n<p>Eine Chance hat der Friede bei uns nur, wenn wir Jesu Aufruf, seine Gesinnung und sein Tun in unser Leben einbrigen. Nur wenn wir den Hass in uns selbst stoppen, verhindern wir, dass er um sich greift. Seien wir also der Lehre Jesu hinsichtlich der Feindesliebe eingedenk. Seit Monaten beten wir inst\u00e4ndig um den Frieden in unserem Land. Der Friede m\u00fcsste zun\u00e4chst in uns selbst entstehen. Dann kann er sich weiter in die menschliche Gesellschaft hinein ausbreiten. Gewiss nicht schlagartig, nicht hier und jetzt, aber sehr wohl in absehbarer Zukunft. Andernfalls f\u00fchrt ein im Herzen der Menschen angeh\u00e4ufter Hass in Richtung Krieg. Diesen zu verhindern, verm\u00f6gen auch s\u00e4mtliche Friedensbem\u00fchungen nicht, sie k\u00f6nnen ihn allenfalls kurz auszubremsen. Wir k\u00f6nnen zwar anhand rechtsstaatlicher Gesetze gegen einen Regierungschef, einen Politiker oder jemanden sonst aufbegehren, nur d\u00fcrfen wir dabei nicht gegen ein Volk, oder eine nationale Gruppe im eigenen Land hetzen. Wer die jeweils verschiedenen, in derselben Volksgemeinschaft zusammen lebenden Menschen polarisiert, der macht gemeinsame Sache mit dem B\u00f6sen Geist, der stets auf Spaltung, ja auf den Tod in der gro\u00dfen Menschheitsfamilie hinarbeitet. Wer allerdings &#8211; und so etwas erlebt man leider des \u00f6fteren\u00a0 &#8211;\u00a0 \u00fcber seine Gegner herf\u00e4llt, der kennt entweder das Evangelium nicht oder h\u00f6rt trotz allem nicht auf das Evangelium und nicht auf Jesus, der uns einsch\u00e4rft:\u00a0 &#8218;Liebt eure Feinde! Tut Gutes denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet f\u00fcr diejenigen, die euch verfolgen!&#8216; (Lk 6,27-28). Anders gesagt: &#8218;Besiegt das B\u00f6se durch das Gute!&#8216; (R\u00f6 12,21).<\/p>\n<p>Wenn wir Jesus im Glauben treu bleiben wollen, d\u00fcrfen wir unsere Ansicht nicht gegen sein Gebot stellen. Lasst uns folglich alles erbringen, was wir im Interesse des Friedens tun sollen. Beten wir f\u00fcr unsere Politiker, dass sie auf Gottes Wort h\u00f6rend, weise Ent-scheidungen treffen. Setzen wir unser Vertrauen auf Gott: Er l\u00e4sst uns niemals im Stich.<\/p>\n<p>Munkatsch, den 19.03.2014<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00a0Antal Majnek, Bischof<\/em><br \/>\n<em>(\u00dcbersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche von P. Josef Wetzstein CMF)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In\u00a0 Christus\u00a0 geliebte Br\u00fcder und Schwestern! Der Aufschrei eines j\u00fcdischen Buben: &#8218;Warum hat man Jesus umgebracht?&#8216;\u00a0 geht mir bis heute im Kopf herum, obwohl das Ganze schon drei\u00dfig Jahre zur\u00fcck liegt.\u00a0 &#8211;\u00a0 Der Kleine hatte versehentlich eine katholische Kirche\u00a0 betreten. Und seine eigenen Eltern hatten keine Antwort parat. 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