Bischof Antal Majneks Fastenhirtenbrief an die Gläubigen der Diözese Munkatsch

In  Christus  geliebte Brüder und Schwestern!
Der Aufschrei eines jüdischen Buben: 'Warum hat man Jesus umgebracht?'  geht mir bis heute im Kopf herum, obwohl das Ganze schon dreißig Jahre zurück liegt.  -  Der Kleine hatte versehentlich eine katholische Kirche  betreten. Und seine eigenen Eltern hatten keine Antwort parat. Da eilte er zu mir, ergriff meine Hand und führte mich vor das empor ragende Kreuz. Dann fragte er eindringlich: 'Warum? Hat er denn etwas S c h l i m m e s getan?'  'Ganz und gar nicht: Jesus hat allen nur Gutes getan', gab ich ihm zur Antwort. Darauf er: 'Dann verstehe ich das nicht.'   
                                                                                                          Der Auf'schrei des W a r u m ? -  blieb unbeantwortet im Kirchenraum stehen.                                 Eigentlich leidet jede Kinderseele seit dem Ernstfall zwischen Kain und Abel unter dieser Frage: Woher kommen Zorn, Hass und Streit, weshalb kommt es zum Bruderkrieg?
Anfangs teilt das Kind die Menschen in zwei Gruppen ein: in gute und böse. Wer sich an seinem Spielzeug vergreift, der ist böse. Es verlangt von seinen Eltern eine unmittelbare Bestrafung oder greift selbst durch.  -  Wenn das Unser verdrängt wird durch das Mein und Dein, bahnt sich der Krieg an. Was einem gehört, das will man für sich haben.          Wie seltsam, dass es mit dem Zurückschlagen anfängt! Es kommt auf beiden Seiten zu einem Rachedenken aus dem Gefühl wiederholter Gekränktheit  und erlittenen Unrechts. Wenn nun keine Versöhnung geschieht und den Verfeindeten keine Schlichtung gelingt, wird aus der Verbitterung und aus dem aufgestauten Zorn eines Tages offener Streit ausbrechen, und schon taumelt man in Krieg.  -  Wird das nie aufhören? Wer mag diese endlose Aggressivität aufhalten? Wann wird das Ganze ein Ende haben? Doch eigentlich geht aus dem Konflikt keiner als wirklicher Sieger hervor. Denn auf der einen wie auf der anderen Seite verspielt man zuerst Geduld und Frieden, Glück und Gesundheit. Dann aber bleibt Hochwertiges  wie Glaube, Liebe, ja Gott auf der Strecke.  -     Je heftiger zwei Parteien ins Streiten geraten, desto mehr freut sich mitunter der Dritte, denn er profitiert womöglich davon: beispielsweise, indem er beiden Seiten Waffen verkauft.
Gott Vater, der die ganze Welt erschaffen hat, lässt, selbst wenn sie abtrünnig geworden sind, die Menschen nicht fallen. Im Gefolge der vielen Profeten, die allesamt  die Sünder unentwegt zur Umkehr aufgerufen haben, sandte er seinen Sohn zur Erde, um alle zum Frieden zu führen, sie mit Gott zu versöhnen.                                                                          .           'Dazu seid ihr berufen worden: Christus hat für euch gelitten und euch ein     Beispiel gegeben, dass ihr seinen Spuren folgt. Er hat keine Sünde begangen,     und in seinem Mund war kein trügerisches Wort. Er wurde geschmäht,                      .           schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überlies seine Sache dem     gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem leib auf das Holz des     Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit     leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.' (1 Pt 2, 21-24).                                                                                       
Eine Chance hat der Friede bei uns nur, wenn wir Jesu Aufruf, seine Gesinnung und sein Tun in unser Leben einbrigen. Nur wenn wir den Hass in uns selbst stoppen, verhindern wir, dass er um sich greift. Seien wir also der Lehre Jesu hinsichtlich der Feindesliebe eingedenk.                                                                                                                                                           Seit Monaten beten wir inständig um den Frieden in unserem Land.                                                                                         Der Friede müsste zunächst in uns selbst entstehen. Dann kann er sich weiter in die menschliche Gesellschaft hinein ausbreiten. Gewiss nicht schlagartig, nicht hier und jetzt, aber sehr wohl in absehbarer Zukunft. Andernfalls führt ein im Herzen der Menschen angehäufter Hass in Richtung Krieg. Diesen zu verhindern, vermögen auch sämtliche Friedensbemühungen nicht, sie können ihn allenfalls kurz auszubremsen.               Wir können zwar anhand rechtsstaatlicher Gesetze gegen einen Regierungschef, einen Politiker oder jemanden sonst aufbegehren, nur dürfen wir dabei nicht gegen ein Volk, oder eine nationale Gruppe im eigenen Land hetzen. Wer die jeweils verschiedenen, in derselben Volksgemeinschaft zusammen lebenden Menschen polarisiert, der macht gemeinsame Sache mit dem Bösen Geist, der stets auf Spaltung, ja auf den Tod in der großen Menschheitsfamilie hinarbeitet. Wer allerdings - und so etwas erlebt man leider des öfteren  -  über seine Gegner herfällt, der kennt entweder das Evangelium nicht oder hört trotz allem nicht auf das Evangelium und nicht auf Jesus, der uns einschärft:          'Liebt eure Feinde! Tut Gutes denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für diejenigen, die euch verfolgen!' (Lk 6,27-28).                                                                         Anders gesagt: 'Besiegt das Böse durch das Gute!' (Rö 12,21).                                                                           Wenn wir Jesus im Glauben treu bleiben wollen, dürfen wir unsere Ansicht nicht gegen sein Gebot stellen. Lasst uns folglich alles erbringen, was wir im Interesse des Friedens tun sollen. Beten wir für unsere Politiker, dass sie auf Gottes Wort hörend, weise Ent-scheidungen treffen. Setzen wir unser Vertrauen auf Gott: Er lässt uns niemals im Stich.      
Munkatsch, den 19.03.2014     
 Antal Majnek, Bischof                  
(Übersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche von P. Josef Wetzstein CMF)
 
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